Europahütte

Schutzhütte,
Staatsgrenze zwischen
Italien und Österreich

Auf 2697 m Seehöhe am Tuxer Hauptkamm in den westlichen Zillertaler Alpen an der Staatsgrenze zwischen Italien und Österreich liegt die Schutzhütte Europahütte. Aufgrund von strukturellen Schäden musste das Gebäude teilweise abgerissen und wieder neu aufgebaut werden. Für den Bau im hochalpinen Gelände ist es wichtig, auf Beständigkeit und den Einfluss von und auf die Natur zu achten, weshalb eine nachhaltige Bauweise angestrebt wurde – ideale Voraussetzungen für den Bau mit CLTPLUS und BSH-Elementen von THEURL.

Projektinformationen

Nutzung: Schutzhütte
Standort: am Tuxer Hauptkamm in den westlichen Zillertaler Alpen, Staatsgrenze zwischen Italien und Österreich
Fertigstellung: 2026
Verbautes Volumen: ca. 350 m³ CLTPLUS und 14 m³ BSH

 

Projektpartner

Bauherr: Deutscher Alpenverein (DAV) Sektion Landshut E.V.
Holzbau: UNIONBAU AG // SAND IN TAUFERS
Architektur: MoDusArchitects
Bilder: © UNIONBAU AG // SAND IN TAUFERS

Einzigartige hochalpine Lage über zwei Länder hinweg

Die Schutzhütte hat eine außergewöhnliche Lage, denn sie liegt genau an der Staatsgrenze zwischen der Republik Italien und der Republik Österreich. Ein Teil der Hütte befindet sich im Pfitschtal (Gemeinde Pfitsch in Italien) und der zweite im Vennatal (Gemeinde Gries am Brenner in Österreich) unweit des Kraxentrager (2.999 m). Die Staatsgrenze verläuft direkt durch die bestehende Hütte, was sie zu einer Besonderheit und einem Symbol für die Werte der Euregio und Grundsätze der Europäischen Union macht. Durch den Neubau soll es zu einer leichten Umpositionierung der Lage kommen, allerdings soll die Einzigartigkeit der länderübergreifenden Lage beibehalten werden.

Eine Schutzhütte mit bewegter Geschichte

Die Europahütte wurde bereits im Jahr im Sommer 1887 von der Sektion Landshut des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuÖAV) erbaut und im August 1899 eingeweiht. Die damalige Hütte wurde aus Steinen und einem Satteldach aus Holz errichtet und umfasste zwei Stockwerke und einen Keller. Allerdings wurde bald eine Erweiterung aufgrund von Platzmangel beschlossen. Ein weiterer Ausbau fand in den Jahren 1902-1903 statt, bei dem die Anzahl der Gästezimmer im ersten Stock erhöht wurde. Im Erdgeschoss entstanden eine neue Küche mit Speisekammer und Esszimmer sowie eine Veranda mit Panoramablick. Auch das Untergeschoss wurde mit Personal- und Lagerräumen erweitert.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye im Jahr 1919 wurde die österreichisch-italienische Grenze neu gezogen und fiel damit mitten durch die Hütte. Dadurch verblieb nur mehr der östliche Teil auf österreichischem Staatsgebiet, welcher im Jahr 1925 erweitert wurde.



Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schutzhütte zunächst bis 1953 geschlossen und wurde dem Verfall überlassen. Erst ab diesem Zeitpunkt wurden wieder Renovierungsarbeiten auf der österreichischen Seite aufgenommen. Die italienische Seite blieb allerdings geschlossen und wurde erst mit 1979 von der Sektion Sterzing des italienischen Alpenvereins wieder übernommen. Zu Beginn der 1980er Jahren entstand die Idee einer grenzüberschreitenden „Europahütte“. Im Jahr 1987 wurde die gemeinsame Bewirtschaftung durch den CAI und den DAV vertraglich geregelt und am 9. und 10. September 1988 wurde der Bauabschluss gefeiert. Seitdem wehen auf der Landshuter Europahütte drei Flaggen: die Tiroler, die Italienische und die Europäische.

Kombination aus Stein und Holz

Eines der wichtigsten Merkmale einer Schutzhütte ist der zuverlässige und beständige Schutz, den sie Einkehrenden bietet. Gebäude im hochalpinen Raum müssen den verschiedenen Wetterlagen, Witterungen, großen Temperaturschwankungen und unwirschen Bedingungen auf luftiger Höhe standhalten. Um eine stabile, den extremen Wetterbedingungen trotzende Hütte zu bauen wurde früher oft auf Steine für die Mauern und Holz für das Dach als Baumaterial zurückgegriffen. Um die Geschichte und Tradition der ursprünglichen Hütte Ehre zu erweisen, wurde beschlossen, einen Teil der bestehenden Hütte, nämlich die Urhütte, zu erhalten. Der Neubau wird mit Holz zugebaut und vom Erdgeschoss aufwärts vollständig in Holzbauweise errichtet. Die Außenwände, Innenboden- und Dachelemente wurden bereits im Werk vorgefertigt. Insgesamt wurden rund 350 m³ CLTPLUS und 14 m³ BSH von THEURL in der neuen Hütte verbaut.

Komplexe Baustellenanlieferung auf 2697 m Seehöhe

Die hochalpine Lage der Europahütte auf fast 2700 m Seehöhe stellte eine besondere Herausforderung bei der Anlieferung der Baumaterialien dar, da die Zugänglichkeit der Baustelle sehr stark eingeschränkt war. Zur Schutzhütte führt kein Fahrweg, weshalb sie ausschließlich zu Fuß erreichbar ist. Damit die Holzelemente auf den Berg transportiert werden konnten, erfolgte zunächst eine Lieferung per Sattelauflieger auf einen Lagerplatz. Dort wurde sie mit WABs zwischengelagert. Anschließend wurde jedes Bauteil einzeln mittels Hubschrauber auf die Baustelle geliefert. Die besondere Baumaterialanlieferung war stark vom Wetter und den Witterungsbedingungen abhängig. Es mussten ständig Rücksprachen gehalten werden, ob der Bau bzw. die Anlieferung der einzelnen Holzelemente mit dem Hubschrauber fortgeführt werden konnte oder nicht und bedarf daher einer engen Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Logistik von THEURL. Dennoch konnten bereits vor Wintereinbruch wichtige Baufortschritte erzielt werden.

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